Erweitertes Angebot für minderjährige Flüchtlinge im Kreis

Antoniushaus Kloster Mülhausen
Antoniushaus Kloster Mülhausen - Foto: © Benedikt Giesbers

 

Kreis Viersen, Schloss Dilborn und Kloster Mülhausen stellen 39 Betreuungsplätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereit

Grefrath / Kreis Viersen. „Wir sind gerüstet, soweit man bei all den Unbekannten gerüstet sein kann.“ Mit diesen Worten beschreibt Kreisdirektor Ingo Schabrich die Situation für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Kreis Viersen. Mit dem Flüchtlingsstrom ist auch die Zahl der meist jugendlichen Flüchtlinge stark gestiegen, die ohne Eltern, Geschwister oder sonstige Angehörige nach Deutschland kommen. Das Jugendamt des Kreises Viersen, seit November 2015 Zuweisungsjugendamt für Bund und Land, ist sich seiner Verantwortung bewusst und hat Vorkehrungen getroffen, diese schwierige Situation in den Griff zu bekommen.

“Die meist männlichen Jugendlichen müssen ja nicht nur ein Dach über dem Kopf haben und menschenwürdig untergebracht sein, sondern auch sozialpädagogisch betreut werden”, sagt Lothar Thorissen, Leiter des Amtes für Schulen, Jugend und Familie Kreis Viersen. Alter und Herkunft der Flüchtlinge wird erst kurz vor deren Eintreffen bekannt. Am Anfang steht das sogenannte Erst-Screening an: Gibt es Geschwister? Wie sieht der Gesundheitszustand aus? Sind die Jugendlichen traumatisiert?

Mit Schloss Dilborn hat der Kreis Viersen einen Jugendhilfe-Träger, mit dem Kloster Mülhausen einen Eigentümer gefunden, die diesen Kriterien entsprechen. Hierüber kann der Kreis 39 von 68 geforderten Plätzen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vorhalten. „Die Zahl 68 ist die aktuelle Quote, die uns von Bund und Land im Zuge eines gleichmäßigen Verteilverfahrens über die Kommunen genannt worden ist”, berichtet Ingo Schabrich. Mit nunmehr 39 zusätzlichen Platzangeboten und vorhandenen bereits genutzten Kapazitäten hat der Kreis diese Quote zwar noch nicht erreicht, ist aber für den ersten Ansturm gerüstet und hat jetzt Zeit, weitere Möglichkeiten zu erarbeiten.

Der Jugendhilfe-Träger Schloss Dilborn hat für die eigene Anlage Dilborn in Brüggen zusätzliche 9 Plätze geschaffen, für die restlichen 30 Plätze steht nun das Antoniushaus im Kloster Mülhausen zur Verfügung. Geplant sind dort drei Gruppen mit je zehn Plätzen. Die Betreuung ist 24 Stunden am Tag gewährleistet. „Wir sind uns bewusst, dass diese jungen Menschen besondere Aufmerksamkeit und Obhut benötigen – eine Aufgabe, der wir uns angesichts der zunehmenden Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge stellen wollen“, sagt Guido Royé, Leiter der Einrichtung Schloss Dilborn. „Vor allem Fachkräfte zu gewinnen, wird jetzt eine Herausforderung sein. In den kommenden Wochen suchen wir verstärkt pädagogische Mitarbeiter.“ Der Träger ist Mitglied im Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. und hat umfassende Erfahrung in der Begleitung und Betreuung junger Menschen. – in den In den vergangenen Jahren auch zunehmend  in der Betreuung von Flüchtlingen im Kindes- und Jugendalter. Seit einem Jahr gibt es in Brüggen die erste Gruppe ausschließlich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Seitdem wurden weitere Gruppen in Düsseldorf und Dernbach (Rheinland-Pfalz) gegründet.

Weiterer Kooperationspartner ist das Kloster Mülhausen. „Als feststand, dass das Antoniushaus geschlossen werden muss, stellte sich die Frage nach einer sinnvollen Nachnutzung des Gebäudes”, sagt Albert Rüping, kaufmännischer Leiter der deutschen Provinz der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau. Die Kongregation ist Eigentümerin des Klosters und damit des Antoniushauses. Das Haus, das 1945 errichtet worden ist, diente die längste Zeit als Internat für ältere Schülerinnen sowie als Jugendbildungsstätte. Der Wunsch, im Antoniushaus junge Flüchtlinge unterzubringen, kam von den Schwestern selbst. Rüping: „Da sowohl der Brandschutz als auch die vorhandene Ausstattung ohne größere Umbaumaßnahmen eine schnelle Belegung ermöglichten, konnte das Haus nahtlos in eine neue Nutzung überführt werden.“ Dass jetzt wieder Jugendliche in das Antoniushaus einziehen, freut die Schwestern besonders, da der Orden immer in der Erziehung und Bildung von Heranwachsenden tätig war. Die Miene von Lothar Thorissen verrät, dass der Weg bis zur tatsächlichen Belegung des Hauses trotz bester Voraussetzungen vor Ort im Behördendickicht doch recht steinig war.

Sowohl der Kreis als auch die Gemeinde Grefrath, auf deren Terrain sich das Antoniushaus befindet, sehen in der Integration der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge die zweite Herausforderung. „Unsere Arbeit endet nicht mit der Inobhutnahme“, sagt Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz. Es gilt, den Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu ermöglichen oder sie in das Vereinsleben und gesellschaftliche Geschehen einzubinden. Diese Aufgabe wird alle Beteiligten noch eine ganze Zeit beschäftigen. Guido Royé setzt zudem auf die Unterstützung der Bevölkerung: „Wir rufen gerne zu ehrenamtlichem Engagement auf: In unseren anderen Gruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge setzen wir ehrenamtlich Tätige bereits erfolgreich ein.“ Diese unterstützen die Pädagogen beispielsweise im Sprachunterricht, helfen den Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben oder ermöglichen die Teilhabe am Vereins- und Kulturleben.

www.kreis-viersen.de/jugendamt
www.grefrath.de
www.dilborn.de
www.snd-deutschland.de/

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