DGB-Chef Hoffmann befürwortet “sozialen Arbeitsmarkt für Flüchtlinge”

Reiner Hoffmann - DGB-Vorsitzender
Reiner Hoffmann, DGB-Vorsitzender - Foto ©DGB/Simone M. Neumann

 

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann betonte in einem heute von der Tageszeitung «Die Welt» veröffentlichten Interview seinen Respekt für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Haltung, die mit ihrem «Wir schaffen das!» kontroverse Diskussionen vor allem im eigenen Lager ausgelöst hatte: «Was wäre denn gewesen, wenn eine deutsche Kanzlerin griesgrämig gesagt hätte: Wir schaffen das nicht? Die Stimmung im Lande wäre sofort gekippt. Ich halte ihre Haltung also für völlig richtig. Insbesondere wenn ich mir anschaue, was rund um uns herum in Europa passiert.»

Der DGB-Chef sieht die Europäische Union in einer schlechten Verfassung, verweist auf den drohenden Ausstieg der Briten und den Vormarsch rechter Parteien in Ländern wie Frankreich, Ungarn oder Polen. Er sieht die Gefahr einer Isolation Deutschlands und einer Implosion der EU.

Hoffmann wendet sich gegen Ausnahmen vom Mindestlohn, sowohl bei Langzeitarbeitslosen, als auch bei Flüchtlingen, kann sich aber «vorstellen, dass wir für eine gewisse Zeit einen sozialen Arbeitsmarkt schaffen für gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten, die ansonsten nicht erledigt würden. Das Modell ist nicht neu, das fordern wir auch für bestimmte Arbeitslose – allerdings mit einem Mindestlohn und Sozialversicherung. Ob sich die Flüchtlinge dafür eignen, müssen wir dann sehen. Aber es sollte Projekte geben, in denen wir Verschiedenes ausprobieren.»

Zugleich wendet sich Hoffmann gegenüber der «Welt» gegen eine Öffnung der Zeitarbeit für Flüchtlinge und kritisiert, dass Unternehmen bis zu vierzig Prozent ihrer Belegschaft in Zeitarbeit beschäftigen und hält das nicht mehr für einen Ausdruck von Flexibilität: «Flüchtlinge können natürlich Leiharbeiter werden, wie alle anderen Arbeitnehmer, aber aus klar definierten betrieblichen Gründen. Einen weiteren Missbrauch der Leiharbeit werden wir verhindern. Wir müssen aufpassen, dass Menschen nicht nur wegen ihrer Herkunft stigmatisiert werden und deswegen angenommen wird, sie seien prädestiniert für den prekären Arbeitsmarkt.»

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