Flüchtlinge erkunden die niederrheinische Landschaft

Naturforscher
Flüchtlinge und Betreuer starten Expedition in die Natur am Niederrhein

 

Raus aus der alltäglichen Tristesse, die neue Heimat erkunden und kennenlernen, vielleicht neue Ideen für sinnvolle Beschäftigung finden und „praktisch Frischluft-Deutsch“ lernen – das hat nun zehn junge Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Guinea und ebenso viele ehrenamtliche Begleiter und Betreuer in die Biologische Station der Krickenbecker Seen geführt.

Dort wurde die Gruppe vom Leiter der Einrichtung Dr. Ansgar Reichmann und der Naturexpertin Isabelle Lorenz begrüßt und durch die Einrichtung geführt. Den Besuchern wurde an Modellen gezeigt, wie die Netteseen durch Torfstechen entstanden, wie sich hier Flora und Fauna entwickeln, wie die Natur gepflegt und geschützt und wie versucht wird, auch vorübergehend „entschwundene“ heimische Tier- und Pflanzenarten wieder „herzulocken“.

Viele bekamen zum ersten Mal in ihrem Leben ein Wildschwein, einen Biber, einen Teichrohrsänger, einen Eisvogel und viele andere Tiere der hiesigen Region, z.B. auch die Greifvögel zu Gesicht – natürlich in ausgestopfter Form. Vokabellernen war dabei inbegriffen.

Überhaupt: Die deutsche Sprache mal nicht grammatisch zu erlernen, sondern sie im wahrsten Sinne des Wortes lebendig werden zu lassen, das war eines der Hauptziele der Aktion.

Bei dieser Veranstaltung soll es nicht bleiben: Zwei weitere werden in Kooperation mit der Biologischen Station noch vor den Osterferien folgen.

Die Veranstaltungen reihen sich ein in ein umfassendes Integrationskonzept, das von den beiden pensionierten Lehrern Heinz Wiegers aus Kempen und Jürgen Vögeding aus Nettetal entwickelt wurde. Es soll Flüchtlingen im Kreis Viersen in den Handlungsfeldern Ausbildung, Arbeit und Beruf, Sport und Freizeit sowie Natur, Umwelt und Energie Perspektiven aufzeigen. Sie sollen den jungen Leuten nützen, wenn sie in Deutschland bleiben, aber auch, wenn sie später einmal in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Es ist nicht eine reine Flüchtlingsarbeit, alle sind willkommen teilzunehmen.

„Wir wollen so einen Raum für Begegnung unterschiedlichster Kulturen schaffen,“ sagt Sabine Schönbrodt, der die interkulturelle Arbeit einfach nur am Herzen liegt. Unmittelbar und konkret wird das Projekt von dem SPD Bundestagsabgeordneten Udo Schiefner unterstützt und begleitet. Namentlich nicht erwähnt sind hier die vielen ehrenamtlich arbeitenden jungen Frauen aus Kaldenkirchen und Leuth, die nicht nur in diesem Projekt wertvolle Integrationsarbeit leisten und schon seit Monaten in den Unterkünften durch gemeinsame Freizeitaktivitäten „Leben in die Buden bringen“ und dies abwechslungsreicher gestalten.

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